Die Riester-Rente hat ausgedient – ab 2027 kommt das Altersvorsorgedepot als Nachfolger. Statt Garantiezwang und hoher Kosten setzt die neue Aktienrente auf echte Renditechancen am Kapitalmarkt. Was sich für Anleger konkret ändert und ob sich der Umstieg lohnt, zeigt dieser Überblick.
Das Ende einer Ära — und ein überfälliger Neuanfang
Nach über 20 Jahren ist Schluss. Die Riester-Rente, einst als große Rentenreform gefeiert, wird ab 2027 keine neuen Verträge mehr annehmen. Was bleibt, sind rund 16 Millionen bestehende Verträge, von denen die Hälfte bereits stillgelegt ist. Ein Trauerspiel, das endlich ein Ende findet.
An ihre Stelle tritt das Altersvorsorgedepot — die sogenannte Aktienrente. Und nach Jahren der Enttäuschung mit Riester muss ich sagen: Endlich hat die Politik verstanden, dass Altersvorsorge und Kapitalmarkt zusammengehören.
Aber was bedeutet das konkret? Was passiert mit deinem bestehenden Riester-Vertrag? Und ist die neue Aktienrente wirklich besser? Lass uns das der Reihe nach durchgehen.
Warum Riester gescheitert ist
Riester war keine schlechte Idee. Die Umsetzung war das Problem. Und zwar gleich auf mehreren Ebenen:
Die Kostenfalle
Riester-Produkte waren teuer. Absurd teuer. Abschlusskosten von 2 bis 5 Prozent der gesamten Beitragssumme, laufende Verwaltungskosten von 1,5 bis 2,5 Prozent pro Jahr, Ausgabeaufschläge bei Fondsprodukten. Ein durchschnittlicher Riester-Vertrag hat über die Laufzeit 20 bis 30 Prozent der Einzahlungen an Kosten gefressen. Das ist ein Skandal, über den viel zu wenig gesprochen wurde.
Der Garantiezwang
Per Gesetz mussten Riester-Anbieter garantieren, dass zum Rentenbeginn mindestens die eingezahlten Beiträge plus Zulagen vorhanden sind. Klingt nach Sicherheit, war aber eine Renditefalle. Denn diese Garantie zwang die Anbieter, den Großteil des Geldes in niedrig verzinste Anleihen zu stecken. In der Nullzinsphase von 2015 bis 2022 bedeutete das: Realverlust trotz Garantie.
Die Komplexität
Riester-Zulagen mussten jedes Jahr beantragt werden. Wer es vergaß, bekam kein Geld. Wer den Arbeitgeber wechselte, musste Angaben anpassen. Wer zu viel oder zu wenig einzahlte, bekam Zulagen gekürzt oder zurückgefordert. Ein bürokratisches Monster, das viele Menschen davon abgehalten hat, die Förderung überhaupt zu nutzen.
Wer die ganze Riester-Geschichte noch einmal im Detail nachlesen will: Der ausführliche Riester-Ratgeber erklärt alle Hintergründe.
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Was ändert sich mit der Aktienrente?
Das Altersvorsorgereformgesetz vom 27. März 2026 bringt einen kompletten Neustart. Ab dem 1. Januar 2027 können keine neuen Riester-Verträge mehr abgeschlossen werden. Stattdessen kommt das Altersvorsorgedepot. Hier die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick:
| Kriterium | Riester-Rente | Altersvorsorgedepot (Aktienrente) |
|---|---|---|
| Förderfähige Produkte | Versicherungen, Banksparpläne, Fondssparpläne (mit Garantie) | ETFs, Fonds, Anleihen, Versicherungen — frei wählbar |
| Garantiepflicht | 100 % Beitragsgarantie verpflichtend | 3 Varianten: 0 %, 80 %, 100 % — du entscheidest |
| Grundzulage | 175 Euro/Jahr | Bis zu 600 Euro/Jahr |
| Kinderzulage | 185-300 Euro/Kind | 300 Euro/Kind |
| Selbständige | Nicht förderberechtigt | Voll förderberechtigt |
| Kostendeckel | Keiner | Max. 1,0 % beim Standarddepot |
| Besteuerung Ansparphase | Steuerfrei, aber Garantiekosten fressen Rendite | Steuerfrei, volle Marktrendite möglich |
| Besteuerung Auszahlung | Nachgelagert (persönlicher Steuersatz) | Nachgelagert (persönlicher Steuersatz) |
| Sonderausgabenabzug | Bis zu 2.100 Euro | Bis zu 1.800 Euro |
| Erwartete Rendite | 1-3 % (nach Kosten) | 4-8 % je nach Variante |
Die Zahlen sprechen für sich. Die Grundzulage hat sich mehr als verdreifacht, der Garantiezwang fällt weg, die Kosten werden gedeckelt, und zum ersten Mal können auch Selbständige und Freiberufler die volle staatliche Förderung kassieren.
Was passiert mit bestehenden Riester-Verträgen?
Gute Nachricht: Bestehende Riester-Verträge genießen Bestandsschutz. Dein Vertrag läuft weiter, die Zulagen fließen weiter, die Konditionen bleiben gleich. Niemand wird gezwungen, seinen Riester-Vertrag aufzulösen.
Aber: Du hast jetzt die Möglichkeit, deinen bestehenden Riester-Vertrag in ein Altersvorsorgedepot zu überführen. Ob das sinnvoll ist, hängt von deiner individuellen Situation ab:
- Wechseln lohnt sich, wenn: Dein Riester-Vertrag hohe laufende Kosten hat (über 1.
- Behalten lohnt sich, wenn: Dein Vertrag noch wenige Jahre bis zur Auszahlung hat.
Wer prüfen will, ob sich ein Wechsel rechnet: Der Riester-Wechsel-Rechner zeigt in wenigen Klicks, was das neue Depot im Vergleich bringt.
Die drei Depotvarianten erklärt
Das neue System bietet drei Risikostufen. Das ist ein entscheidender Fortschritt gegenüber Riester, wo es nur die volle Garantie gab — ob man sie wollte oder nicht.
Pur-Depot (keine Garantie)
Die volle Kraft des Kapitalmarkts. Keine Beitragsgarantie, dafür die höchste erwartete Rendite von 6 bis 8 Prozent pro Jahr. Das Geld wird in breit gestreute Aktien-ETFs investiert. Schwankungen gehören dazu, aber über 15 bis 30 Jahre hat der Markt historisch immer geliefert.
Meine ehrliche Meinung: Wer noch 20 oder mehr Jahre bis zur Rente hat, sollte diese Variante ernsthaft in Betracht ziehen. Die Garantie bei Riester hat mehr Rendite gekostet, als sie an Sicherheit gebracht hat.
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80-Prozent-Garantie
Ein Kompromiss: Mindestens 80 Prozent deiner Einzahlungen sind garantiert, der Rest darf am Aktienmarkt arbeiten. Erwartete Rendite: 4 bis 5 Prozent. Für alle, die etwas Sicherheit brauchen, aber nicht auf Rendite verzichten wollen.
100-Prozent-Garantie
Die konservative Variante: Dein gesamter Beitrag ist garantiert. Erwartete Rendite: 2 bis 3 Prozent. Immer noch besser als die meisten Riester-Produkte, weil der Kostendeckel von 1,0 Prozent greift. Aber wer ehrlich ist: Über 30 Jahre verschenkt man hier sehr viel Geld.
Warum die Aktienrente endlich Sinn ergibt
Ich möchte nicht um den heißen Brei reden. Die Riester-Rente war ein Geschenk an die Versicherungsindustrie. Die Produkte waren so komplex und kostenintensiv, dass ein großer Teil der staatlichen Förderung in den Taschen der Anbieter gelandet ist — nicht bei den Sparern.
Das neue System setzt andere Anreize:
- Transparenz: ETFs haben einen klar definierten Kostenausweis. Jeder kann nachschauen, was sein Fonds kostet.
- Wettbewerb: Wenn der Kostendeckel bei 1,0 Prozent liegt und ETFs für 0.
- Einfachheit: Ein Depot eröffnen, ETF auswählen.
- Rendite: Zum ersten Mal arbeitet das Geld wirklich für die Sparer, nicht für die Vermittler.
Auch das FIV Magazine hat die wichtigsten Fakten zur Aktienrente zusammengefasst — für alle, die eine kompakte Übersicht suchen.
Schweden zeigt, wie es geht
Das Vorbild für die deutsche Aktienrente ist der schwedische AP7-Fonds. Seit seiner Gründung hat er eine durchschnittliche Rendite von 11,5 Prozent pro Jahr erzielt — bei Kosten von gerade einmal 0,07 Prozent. Ja, du liest richtig: Null Komma null sieben Prozent.
Tipp: Aktien für Anfänger — ein guter Einstieg für alle, die sich mit Aktien beschäftigen.
Tipp: Was ist ein ETF? — ein guter Einstieg für alle, die sich mit ETF beschäftigen.
Der AP7 ist ein staatlich verwalteter Aktienfonds, in den alle Schweden automatisch einzahlen, wenn sie keine aktive Wahl treffen. Das Prinzip: Breit gestreut, kostengünstig, langfristig. Kein Marketing, keine Vertriebsprovisionen, keine Hochglanzprospekte.
Deutschland ist noch nicht soweit. Der Kostendeckel von 1,0 Prozent beim Standarddepot ist zwar besser als Riester, aber im internationalen Vergleich immer noch hoch. Hier gibt es Nachholbedarf. Aber der erste Schritt ist getan.
Für wen lohnt sich der Wechsel am meisten?
Pauschal lässt sich das nicht beantworten, aber einige Gruppen profitieren besonders stark:
- Junge Arbeitnehmer (25-35): Maximale Ansparzeit, maximaler Zinseszinseffekt.
- Familien mit Kindern: 300 Euro Kinderzulage pro Kind.
- Selbständige: Zum ersten Mal überhaupt förderberechtigt — das ist historisch
- Gutverdiener: Der Sonderausgabenabzug von bis zu 1.800 Euro wirkt bei hohem Grenzsteuersatz besonders stark
- Riester-Geschädigte: Wer in einem teuren Riester-Vertrag mit 0,5 Prozent Rendite feststeckt, hat jetzt eine Exit-Option
Wer im Detail nachlesen möchte, was mit dem alten Riester-Vertrag passiert: Die Übersicht zum Riester-Bestandsschutz klärt alle offenen Fragen.
Meine persönliche Einschätzung
Ich habe Riester nie empfohlen. Die Kosten waren zu hoch, die Rendite zu niedrig, die Komplexität zu groß. Ich habe stattdessen immer gesagt: Nimm einen einfachen ETF-Sparplan und spar dir den Ärger.
Das Altersvorsorgedepot ändert diese Rechnung. Zum ersten Mal gibt es ein staatlich gefördertes Produkt, bei dem die Förderung tatsächlich beim Sparer ankommt und nicht in Vertriebskosten verschwindet. 600 Euro Grundzulage plus steuerfreie Ansparphase plus ETF-basierte Anlage — das ist ein echtes Argument.
Ist es perfekt? Nein. Die Kostenobergrenze sollte niedriger sein, der Sonderausgabenabzug könnte höher sein, und die nachgelagerte Besteuerung schmälert den Vorteil etwas. Aber im Vergleich zu dem, was wir vorher hatten, ist es ein Quantensprung.
Riester ist tot. Und das ist gut so. Die Aktienrente ist der bessere Nachfolger — für fast alle.
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Riester vs. Altersvorsorgedepot: Der direkte Vergleich
| Kriterium | Riester-Rente | Altersvorsorgedepot ab 2027 |
|---|---|---|
| Kapitalgarantie | Ja (100% der Einzahlungen) | Nein — mehr Renditepotenzial |
| Anlage | Versicherung / Fonds (eingeschränkt) | Freie ETF-Wahl |
| Förderung | Grundzulage 175 €/Jahr | Bis zu 600 € Bonus/Jahr |
| Kosten | Hoch (Versicherungsmantel) | Niedrig (ETF-TER ab 0,07%) |
| Flexibilität | Gering | Hoch |
| Steuerabzug | Bis 2.100 €/Jahr | Bis 3.000 €/Jahr |
Soll ich meinen Riester-Vertrag kündigen?
Kündigung führt zur Rückzahlung aller Zulagen und Steuervorteile — das kann teuer werden. Bessere Option: Beitragsfrei stellen und ab 2027 parallel das neue Altersvorsorgedepot eröffnen. Oder: Auf die gesetzlich geplante steuerfreie Übertragung in das neue System warten. Wer Wohn-Riester nutzt (Eigenheim-Tilgung), sollte gar nicht wechseln — dort lohnt sich Riester weiterhin.

Riester ummelden oder neu starten: So gehst du vor
Drei Schritte zur richtigen Entscheidung — ob du deinen Riester-Vertrag behältst, beitragsfrei stellst oder 2027 überträgst:



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Riester kündigen: Was es wirklich kostet — mit konkreter Rechnung
Die häufigste Frage zu Riester 2026: "Soll ich kündigen?" Die Antwort hängt von deinem Guthaben ab. Bei Kündigung musst du alle erhaltenen Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen. Das ist oft mehr als gedacht:
| Riester-Vertrag seit | Erhaltene Zulagen | Steuervorteile (ca.) | Rückzahlung bei Kündigung | Besser |
|---|---|---|---|---|
| 5 Jahren (seit 2021) | 5 × 175 € = 875 € | ca. 2.100 € | ca. 2.975 € | Beitragsfrei stellen |
| 10 Jahren (seit 2016) | 10 × 175 € = 1.750 € | ca. 4.200 € | ca. 5.950 € | Warten auf 2027-Transfer |
| 20 Jahren (seit 2006) | 20 × 175 € = 3.500 € | ca. 8.400 € | ca. 11.900 € | Wohn-Riester behalten |
Die 3 richtigen Optionen für deinen Riester-Vertrag 2026
| Situation | Empfehlung | Warum |
|---|---|---|
| Normaler Riester-Fonds-/Versicherungsvertrag | Beitragsfrei stellen | Kein Geld zurückzahlen, Guthaben bleibt erhalten, ab 2027 übertragen |
| Wohn-Riester (Eigenheimzulage für Tilgung) | Behalten und weiterlaufen lassen | Wohn-Riester funktioniert anders — kein Depot, direkter Steuervorteil bleibt |
| Sehr kostenintensiver Vertrag (Kosten über 2% p.a.) | Kosten-Nutzen-Rechnung machen | Ggf. kündigen wenn Zukünftige Verluste die Rückzahlung überwiegen — individuell prüfen |
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Häufige Fragen
Was passiert mit meinem Riester-Vertrag wenn ich nicht mehr einzahle?
Der Vertrag bleibt bestehen und wird beitragsfrei gestellt. Du verlierst zukünftige Zulagen, behältst aber die bereits gewährten. Sinnvoller kann es sein, den Vertrag zu kündigen und in das neue Altersvorsorgedepot zu wechseln — das bietet mehr Flexibilität und oft bessere Renditen.
Kann ich mein Riester-Guthaben in das Altersvorsorgedepot übertragen?
Ab 2026 ist eine steuerfreie Übertragung des Riester-Guthabens in ein Altersvorsorgedepot geplant. Das Übertragen ist freiwillig — wer in Riester-Immobilien investiert hat (Wohn-Riester), sollte die Konditionen genau prüfen.
Ist Riester noch sinnvoll oder sollte ich wechseln?
Für die meisten Sparer ist das neue Altersvorsorgedepot attraktiver: mehr Anlagefreiheit (ETFs statt Versicherungsprodukte), kein Mindestverzinsungsgebot, niedrigere Kosten. Ausnahme: Wohn-Riester-Nutzer und Geringverdiener mit maximaler Grundzulage sollten individuell prüfen.
Was ist Wohn-Riester und sollte ich ihn behalten?
Wohn-Riester ermöglicht es, das angesparte Kapital für den Kauf oder Bau eines selbstgenutzten Eigenheims zu verwenden. Für Kapitalanlager ist Wohn-Riester weniger relevant, da die Förderung an Eigennutzung gebunden ist. Wer sein Eigenheim abbezahlt hat und Wohn-Riester dafür genutzt hat, sollte den Vertrag behalten — er läuft günstig weiter.
Bis wann kann ich noch einen Riester-Vertrag abschließen?
Neue Riester-Verträge werden nach aktuellem Gesetzentwurf ab 31.12.2026 nicht mehr gefördert. Bis Ende 2026 profitierst du noch von den bisherigen Regelungen. Ab 2027 steht das Altersvorsorgedepot bereit. Wer heute noch unter 40 Jahre alt ist, sollte direkt das neue System planen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Riester läuft aus: Keine Neuverträge mehr empfohlen — Förderung sinkt, Kosten bleiben hoch
- Aktienrente ab 2027: 20% Förderung (bis 600€/Jahr), ETF-basiert, deutlich flexibler als Riester
- Bestandsverträge: Alte Riester-Verträge laufen weiter — auf Gefördert-Status prüfen, ggf. beitragsfrei stellen
- Strategie jetzt: ETF-Sparplan starten → ab 2027 auf Altersvorsorgedepot umschichten
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